faq


wieso heißt die initiative „hi_queer“?
der name der initiative setzt sich aus drei „fragmenten“ zusammen:

hi ist das gängige kürzel für hildesheim.
der _ (unterstrich) zwischen hi und queer (auch gap genannt) soll eine anspielung darauf sein, dass wir innerhalb der initiative davon überzeugt sind, dass es einen unendlich großen, vielfältig bunten raum zwischen den vorherrschenden gesellschaftlichen kategorien gibt. das bezieht sich auf sämtliche kateogrien, die identität ausmachen.queer steht für die politische_theoretische ausrichtung der initiative.
queer fungiert an dieser stelle nicht als modernes synonym verschiedener begehrensformen sondern bezieht sich auf die kerngedanken der queer theory.

aha. und worum geht es in dieser queer theory?
queer theory ist sowohl ein theoretisches wie auch politisches konzept. die frage nach dem ICH, nach IDENTITÄT, steht dabei im mittelpunkt. innerhalb dieses gedankenkorpus wird angenommen, dass idenität nichts klar definiertes, biologisch angeborenes oder feststehendes ist – dass es keinen festen identitätskern gibt, der ein individuum ausmacht. viel mehr besteht das ICH-gefühl aus eine anordnung ganz variabler, beweglicher und gesellschaftlich konstruiertes positionen, die sich in einem fortlaufenden prozess stetig neu (an-)sortieren. es geht also im grunde darum, einem oberflächlichen, eindimensionalen und stereotypen „schubladisieren“ von menschen entgegen zu wirken und aufzuzeigen, dass z.B das geschlecht gar nicht so eindeutig ist, wie die gesellschaft uns das suggerieren möchte. oder das es noch viel mehr begehrensformen gibt als die gängigen (ebenfalls stereotypen) formen – die übrigens auch alle gleichwertig und gleichschön sind.kein mensch ist von natur aus, von geburt an irgendetwas. erst gesellschaftliche mechanismen und interaktionen zwischen menschen generieren kategorien, mit denen individuen suggeriert wird – ja, das bist du. und genau deswegen musst du jetzt so sein.

queer theory versucht genau jenen mechanismus transparent zu machen. es wird versucht, aufzuzeigen, dass die kategorien wie geschlecht, begehren oder ethnie (und natürlich noch viele mehr..eben alles ,was das ICH-gefühl ausmacht) nicht mehr sind als gesellschaftliche konstruktionen, die in keinster weise als legitimation herhalten können, menschen in oberflächliche schubladen zu packen!

was bedeutet denn dieses „nackt“?
gehen wir von der allgemeinen bedeutung des wortes nackt aus, beschreibt dieser begriff in den meisten fällen menschliche, unbekleidete körper – körper ohne kleidungsfragmente, die verhüllen_schmücken_verdecken_irritieren. laufen die menschen in der initiative also dauerhaft ohne kleidung herum?nein, natürlich nicht : )

viel mehr begreifen wir das wort nackt als metapher. als eine art sinnbild. nach unserem verständnis ist jeder mensch im grunde nackt. ist die identität, das ICH-Gefühl, etwas nacktes, welches durch „identitätskleidung“(damit sind die ganzen kategorien gemeint, die ein ICH-gefühl so ausmachen) angezogen wird. diese ankleidung des ICHs führt nur leider oft zu voreiligen meinungen, bewertungen und schubladisierungen. daher möchten wir erst einmal jeden menschen nackt betrachtet. eben als menschen und nicht als ansammlung verschiedener identitätskleidungsstücke!

we are all born naked!

was macht ihr genau?
die menschen in der initiative machen viele dinge_aktionen_projekte. alle im detail aufzuzählen, wäre wohl ein bisschen viel für das faq.

grundlegend arbeitet die initiative jedoch auf zwei ebenen:
zum einen werden sich große und kleine aktionen und projekte ausgedacht, im kollektiv, in kleinen gruppen oder auch erst einmal alleine am heimischen schreibtisch (oder wo euch sonst die guten ideen kommen : ) ).gemeinsam überlegen wir dann weiter. dabei kann es um die organisation von aktionstagen gehen ( „gesellschaft_macht_identität“ ), um das gestalten von flyer, buttons oder sticker (z.B „NACKT“ – aufkleber, „was ist dein wenigstes?-postkarten etc.) oder um das konzeptionieren groß angelegter, öffentlicher treffen (wie im april 2012).
das sind natürlich alles nur beispiele. inhaltlich geht es bei den meisten ideen primär darum, andere menschen, unsere umwelt und den gesellschaftlichen raum für die subtilen machtmechanismen zu sensibilisieren, die dafür verantwortlich sind, dass wir menschen als starre verknotung von kategorien wahrnehmen – kurz gesagt: es geht um awareness-aktionen.

neben all diesen tollen, praktischen aktivitäten soll die initiative aber auch, quasi als zweite ebene, einen raum zur kritischen selbstreflektion bieten. in dem geschützten rahmen der gruppe kann gemeinsam über eigene identitätskategorien diskutiert_reflektiert werden, kann neues ausprobiert und altes mit vielfältigen perspektiven überdacht werden. dazu finden regelmäßige, meist wöchentliche treffen in der uni statt (den aktuellen termin gibt’s über den verteiler oder auf der homepage). eingebettet in diesen selbstexplorativen kontext sind auch unregelmäßig stattfindene theorie-sitzungen, wo menschen interessante_spannende_kritische denkweisen und/oder theorien vorstellen können, um dann gemeinsam mit den anderen darüber in den austausch zu treten.
was die menschen innerhalb der initiative tun, hängt natürlich auch immer ganz stark davon ab, welche wünsche_ideen_fragen (von euch) mitgebracht werden – jeglicher input ist willkommen : )

warum macht ihr solche dinge und was soll damit bezweckt werden?

[antwort folgt demnächst]

darf mensch denn nur mitmachen, wenn sie_er_* schwul_lesbisch_bi_queer_trans_asexuell […]?
Entgegen der anscheinend vorherrschenden Meinung, HI_QUEER wäre primär eine Anlaufstelle und ein Schutzraum für Menschen, die sich abseits der normativen Begehrensmuster bewegen, sind alle Menschen willkommen, die Interesse, Neugierde und Spaß an den philosophischen und politischen Hintergründen der Initiative haben. Die Initiative versteht sich ausdrücklich nicht als schwul_lesbisch_bi_queer_trans_asexuell_[…]* Organisation und_oder Verein, sondern bewegt sich mit ihren Ideen, Konzepten und Handlungsmotiven auf einer Metaebene.Wir wollen immerhin entschubladisieren, und nicht durch ein Arbeiten und Festhalten an starren Kategorien (und Identitätskonzepten) dazu beitragen, vorherrschende Machtmechanismen und Diskriminierungsprozesse aufrecht zu erhalten, zu stabilisieren oder gar zu (re-)produzieren.

Natürlich finden sich in der Initiative eine Vielzahl an polymorphen Lebens- und Liebesentwürfen, die aber in keinster Weise als Zutrittskriterium fungieren. Viel mehr erscheint es (uns) als Beweis, dass polymorphe Identitätsentwürfe keine Erfindung progressiver, postmoderner Philosoph_innen_* sind, sondern durchaus real und für eine gesellschaftliches, wertfreies Miteinander relevant sind.

Traut euch, macht mit und werdet Teil der Bewegung! : )