winter 2014

Veranstaltungsreihe

Identität, da krachen äußere, sichtbare und unsichtbare Merkmale auf das subjektive Empfinden eines jeden Menschen. Aber was ist Identität eigentlich? Etwa die Verortung des Selbst zwischen innen und außen, irgendwo zwischen Körper und Geist? Etwas Dingliches zwischen Kultur und Natur? Eine statische Größe? Oder doch eher ein bewegliches und fließendes Gebilde, ähnlich wie ein Kaleidoskop? Auf dieser Seite erfahrt ihr mehr zum diesjährigen Programm.

Programmübersicht

    // Di. 28.10.2014, 18.00 Uhr: Colors of Feminism [mehr]

    // Fr. 07.11.2014, 14-18.00 Uhr: Bondage-Workshop [mehr]

    // Mi. 12.11.2014, 20.00 Uhr: Hedwig and the Angry Inch (Filmvorführung) [mehr]

    // Di. 18.11.2014, 18.00 Uhr: Künsterinnengespräch zur Begleitausstellung Queere Lebensweisen [mehr]

    // Di. 25.11.2014, 18.00 Uhr: häppchenweise: Ein post-pornografisches Experiment [mehr]

    // Fr. 05.12.2014, 15.15-18.00 Uhr: (Achtung: geänderte Zeiten!)Zeitreise zu Alice B Sheldon [mehr]

    // Di. 09.12.2014, 18.00 Uhr: Lebensrealitäten von intersexuellen Menschen [mehr]

    // Di. 16.12.2014, 18.00 Uhr: Böser Russe/schwuler Russe [mehr]

    // Di. 13.01.2015, 18.00 Uhr: Das Persönliche ist politisch [mehr]

Programmbeschreibungen

// Di. 28.10.2014, 18.00 Uhr
// Natasha Kelly – „Colors of Feminism“
// Vortrag in Raum I 010 / Universität Hildesheim
Welche „Farbe“ haben Feministinnen? Oder ist Feminismus „farblos“? Wer gilt in feministischen Kreisen als „farbig“? Und wer als „farbenblind“? Diese und ähnliche Fragen werden in aktivistischen Frauenkreisen immer wieder aufs Neue gestellt und führen auf die falsche Fährte. Denn der angloamerikanische Kampfbegriff Colors lässt sich nicht mit „Farben“ oder „farbig“ übersetzen. Vielmehr ist von Widerstand die Rede: Women of Color sind Frauen des Widerstands! Und widerständige Frauenpositionen gibt es innerhalb der weißen deutschen Mehrheitsgesellschaft viele. Doch gerne werden diese auf einer einzigen Positionierung reduziert, in einer einzigen Stimme verein(nahm)t – von jenen weißen Feministinnen, die die Kategorie Gender für sich beanspruchen, entdependieren und eigenständig verhandeln…
Homepage: http://www.natashaakelly.com

// Fr. 07.11.2014, 14-18.00 Uhr
// Jen aus Hamburg – „Bondage-Workshop“
// Workshop in Raum I 010 / Universität Hildesheim
Die­ser Ein­füh­rungs­work­shop bie­tet die Mög­lich­keit, ei­ni­ge Ba­sics vom Fes­seln mit Sei­len zu ler­nen. Ge­fes­selt wird mit be­han­del­ten Hanf-Sei­len, ihr könnt je­doch auch ei­ge­ne Seile mit­brin­gen, vor allem, wenn ihr euch nicht si­cher seid, ob sich diese zum Fes­seln eig­nen wür­den. Am ein­fachs­ten ist es, wenn ihr euch be­quem klei­det; mit Rock könn­te es z.B. even­tu­ell schwie­rig sein, ist aber auch mög­lich. Ich sel­ber habe vor ei­ni­gen Jah­ren an­ge­fan­gen das „Tüd­deln“ für mich zu ent­de­cken. Seit ei­ni­ger Zeit gebe ich Ein­füh­rungs­work­shop in der quee­ren Com­mu­ni­ty um die Freu­de, die ich daran habe, wei­ter zu geben. Zudem möch­te ich Men­schen in­spi­rie­ren, etwas Neues aus­zu­pro­bie­ren und Ihren Ho­ri­zont über even­tu­el­le Vor­ur­tei­le hin­aus zu er­wei­tern. Ihr braucht keine Part­ner*in mit­zu­brin­gen, es fin­det sich si­cher ein Mensch der mit euch tüd­delt. Ma­xi­mal kön­nen 20 Per­so­nen an einem Work­shop teil­neh­men, damit wir in ent­spann­ter Runde ge­nü­gend Zeit und Raum für Rück­fra­gen haben.
Bitte anmelden unter: gmi[at]asta-hildesheim.de

// Mi. 12.11.2014, 20.00 Uhr
// „Hedwig and the Angry Inch“
// Filmvorführung im Audimax / Universität Hildesheim
In „Hedwig and the Angry Inch“ geht es um weitaus mehr als um die Geschichte einer trans* DDR Rock-Sängerin auf US Tour. Mit einem goldenen Paar Go-Go-Stiefel im Gepäck, rockigen Songs auf den Lippen und jeder Menge Charme singt Hedwig vom Hinfallen und Aufstehen, vom Verstecken und Enthüllen, vom sich selbst finden und Ganzsein.
Pressestimmen:
„Hedwig reißt einen vom Hocker!“ – The Angry Inch
“Ein rauschhaftes Spektakel!” – Madame Queer
“Blonde Perücken und Föhnfrisuren sind das Must Have für diesen Herbst!” – RuPaula
Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=8tgy9ODhwNI

// Di. 18.11.2014, 18.00 Uhr
// Begleitausstellung „Queere Lebensweisen“ (04.11.-02.12.2014)
// Künstlerinnengespräch in I 010 / Universität Hildesheim
Hagra ist eine junge Künstlerin aus Kasan. Sie verarbeitet in ihren Werken verschiedene queer – politische Themen wie unter anderem Homophobie (in Russland), Feminismus und Geschlechterrepräsentationen. Ihre Bilder sind ausschließlich handgemalt und mit Filzstiften koloriert. Am Ende der Ausstellung wird es ein Skypeinterviewe mit der Künstlerin geben. Für das Interviewe steht eine Übersetzerin vom russischen ins deutsche bereit, und ebenfalls werden die Bildinhalte in beiden Sprachen verfügbar sein.
Homepage: http://vk.com/hagra

// Di. 25.11.2014, 18.00 Uhr
// Maike Brochhaus & Franziska Barth – „häppchenweise: Ein post-pornografisches Experiment“
// Vortrag & Filmausschnitte in Raum I 010 / Universität Hildesheim
Filmvorführung und anschließende Diskussion mit Regisseurin Maike Brochhaus und Darstellerin Franziska Barth. Synopsiszum Film: Sechs junge Menschen finden an einem Abend zusammen, um sich spielerisch mit Fragen und Aufgaben rund um sexuelle Vorlieben, Partnerschaft, Gender, Feminismus und Identität auseinderzusetzen. Aus anfänglicher Nervosität entsteht zunehmend ein offenes Miteinander. Es eröffnen sich intime Momente in denen Kopf und Körper nicht trennbar sind und Sexualität stets an Individuen verhaftet bleibt – Ein Gegenbilde zu den oft entpersonalisierten Darstellungen im Bereich Mainstreampornografie.
Homepage: http://haeppchenweise.net

// Fr. 05.12.2014, 15.15-18.00 Uhr
// Muriel Aichberger – „Zeitreise zu Alice B Sheldon“
// Workshop in Raum I 010 / Universität Hildesheim
In diesem Workshop begegnen wir Alice B. Sheldon. Sie ist als Kind USAmerikanischer Ethnologen, früh in Afrika unterwegs. Der von Kindesbeinen an kultivierte Forschungsdrang wird ihr Leben zu einem der interessantesten und buntesten der Literaturgeschichte machen. Mit über 50 Jahren wird sie einer der bedeutendsten Science-Fiction Autoren aller Zeiten, nämlich: James Tiptree Jr. Von der Presse umjubelt, von Kolleg*innen hoch geachtet schreibt sie jahrelang unter diesem männlichen Pseudonym heute weltberühmte Sci-Fi Kurzgeschichten und Romane. Ihr außergewöhnliches Leben wird Folie und Triebfeder für unsere Auseinandersetzung. Wir wenden uns der Zeit als Phänomen zu, die ganz nebenbei und größtenteils unbemerkt die Bilder, die wir von uns selbst haben maßgeblich beeinflusst. Wir untersuchen die Auswirkungen unserer Vorstellung von Zeit auf die Frage der Identität. Wie wollen wir leben und kommunizieren und passen die momentanen Konzepte und Bedingungen zu dieser Utopie? Um diese Fragen zu beantworten, werden wir in der Zeit reisen, sie auf ihre Essenz überprüfen und ihr auf den vielzitierten Zahn fühlen, der an uns hoffentlich nicht spurlos vorübergehen wird. Dieser Workshop soll ein experimenteller Freiflug entlang der schönsten Widersprüche und Paradoxien der menschlichen Kulturgeschichte und eine geführte Forschungs- und Erkundungsreise durch die Dimensionen von Identität und Selbst werden.
Homepage: http://www.queerreferat.de/wir/muriel
Bitte anmelden unter: gmi[at]asta-hildesheim.de

// Di. 09.12.2014, 18.00 Uhr
// Lucie Veith – „Lebensrealitäten von intersexuellen Menschen“
// Vortrag in Raum I 010 / Universität Hildesheim
Homepage: http://www.intersexuelle-menschen.net
Material zum Download: Vortrag vom 9.12.2014

// Di. 16.12.2014, 18.00 Uhr
// Masha Neufeld – „Böser Russe/schwuler Russe: Zur Verstrickung von Nation, Rassismus und Homophobie und neue Unsichtbarkeiten queerer russischsprachiger Migrant_innen in Deutschland.“
// Vortrag in Raum I 010 / Universität Hildesheim
In meinem Vortrag möchte ich die Erfolgsgeschichte der Erfindung „migrantischer Homophobie“ in Deutschland aufgreifen und sie mit neueren Diskursen über das „homophobe und repressive Russland“ in Beziehung setzen. Ausgehend von einer Analyse des rassistischen und islamophoben Diskurses Mitte und Ende der 2000-er Jahre, der einen scheinbaren Gegensatz zwischen „den“ muslimischen Migrant_innen und „der“ homotoleranten deutschen Gesellschaft konstruierte, frage ich speziell danach, welche Rolle den russischsprachigen Migrant_innen in den aktuellen deutschsprachigen Debatten über Russlands Homophobie zukommt. Mittels einschlägiger Beispiele aus Mainstream und LGBT Medien zeichne ich nach, wie weiße deutsche LGBTs und vor allem schwule Cismänner als Opfer migrantisch-homophober Übergriffe geframed und zu schützenswerten Staatssubjekten werden, die sich in nationalstaatliche Logiken von „Toleranz“ und „Inklusion“ einschreiben und somit direkt und indirekt von dem antimuslimischen Rassismus profitieren. Innerhalb dieses frameworks werden muslimische Identitäten und schwule Identitäten als Gegensätze dargestellt, was vor allem schwule muslimische Lebensrealitäten verneint und unsichtbar macht. In Bezug auf die Überschneidung von „russisch“ und „queer“ verläuft der neuere deutsche Diskurs anders: hier geschieht die Konstruktion der weniger gut entwickelten „anderen“ (sprich: „den Russen“), die noch um ihre Rechte im eigenen homophoben Staat kämpfen müssen, in Abgrenzung zu den Deutschen, die (wiederum in Abgrenzung etwa zu „den Türken“) ihre Rechte bereits erkämpft haben und Deutschland als einen „liberalen“ und „moderenen“ Staat mitgestaltet haben.
Innerhalb dieser Logik wird der repressive omnipräsente russische Staat in Opposition zu queeren Subjekten konstruiert, die stets als Dissident_innen in ihrer Opferrolle verbleiben. Dabei werden weiße in Russland lebende LGBTs als „die anderen, die fast gleich sind“ imaginiert: rückschrittlich und entwicklungsbedürftig in Bezug auf den fortschrittlichen und homotoleranten Westen, anachronistisch einsame Aliens in ihren modernen queeren Identitäten in Bezug auf den rückschrittlichen und homophoben russischen Staat. Nord/westiche Repräsentationen von Gewalt gegen weiße russländische LGBTs und vor allem die Darstellungen physischer (Staats-)Gewalt gegen schwule Cismänner untermauern dieses Bild, während die Stimmen queerer russischsprachiger Subjekte, die außerhalb des russischen Staates leben, in den jeweiligen Debatten stumm bleiben oder selten gehört werden. Anschließend zeige ich einige Positionen queerer russischsprachiger in Deutschland lebender Migrant_innen innerhalb dieser beiden Diskursstränge auf und stelle eigene Überlegungen dazu an, warum queere hybride russisch-/deutschsprachige Identitäten und Lebensrealitäten innerhalb nationalstaatlicher Formationen von Deutschland und Russland nicht vorgesehen und darum unsichtbar (gemacht) sind.
Homepage: http://bodypolitix.me

// Di. 13.01.2015, 18.00 Uhr
// Maria Bühner – „Das Persönliche ist politisch – Identitätskonstruktionen in queer/feministischen Personal Zines“
// Vortrag in Raum I 010 / Universität Hildesheim
Was kann es für die eigene Identität bedeuten lesbisch, genderqueer oder Drag Queen zu sein? Inwiefern ist das Schreiben über die eigene Identität ein politischer Akt? Diese Veranstaltung widmet sich möglichen Antworten auf diese Fragen aus der Lektüre queer/feministischen Personal Zines. Personal Zines sind selbst-publizierte, nicht-kommerzielle Veröffentlichungen mit einer kleinen Auflage, in denen das Leben des_der Schreibenden im Mittelpunkt steht. Diese Zines sind autobiographische Dokumente, in denen Menschen über sich selbst und ihre Geschichte reflektieren und dabei in einem performativen Akt Bilder dieses Selbst schaffen. Dieses Schreiben ist emanzipativ und eröffnet Freiräume, gleichzeitig bringt es die Limitierung von Identitäten durch soziale Normen, beispielsweise bezüglich Geschlecht und Sexualität, zum Ausdruck. Das Kerninteresse des Vortrags richtet sich auf Prozesse der Identitätskonstruktion im autobiographischen Schreiben queer/feministischer Personal Zines. Mich interessieren besonders folgende Aspekte: Auf welche Ideen und Konzepte wird dabei zurückgegriffen? Welches Verständnis haben die Schreibenden von ihrer Identität, besonders in Hinblick auf Geschlecht und Begehren? Wie werden kollektive Identitäten verhandelt? Wie kann eine Community jenseits essentialistischer Vorstellungen von Identität aussehen? Meine Ziele sind es, die zentralen Kategorien des Horizontes aufzuzeigen, in dem queer/feministische Identitäten verortet sind, ein Verständnis zu vermitteln davon, wie die eigene Identität im autobiographischen Schreiben konstruiert wird und der Frage nachzugehen, welche Funktionen solche Narrative haben können, für Individuen und für Kollektive. Darüber hinaus werde ich auch mein methodisches Vorgehen vorstellen.

Mit freundlicher Unterstützung durch:

    // Allgemeiner Studierenden Ausschuss (AStA) der Universität Hildesheim
    // Gleichstellungsbüro der Universität Hildesheim
    // Hochschulkino (HoKi) der Universität Hildesheim
    // Kulturbüro des Studentenwerks OstNiedersachsen
    // Landkreis Hildesheim
    // Rosa-Luxemburg-Stiftung
    // Studierendenparlament (StuPa) der Universität Hildesheim

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